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Bockjagd-Pirsch-Ausrüstung

Donnerstag, April 29, 2010
geschrieben von magnus

So, bevor es losgeht am Wochenende mit der Jagd auf Böcke und Schmalrehe, möchte ich etwas zum Thema Ausrüstung bei der Pirsch auf Rehwild schreiben.

Ich jage meistens in Revieren mit hohem Feld- und Wiesenanteil und dementsprechend langen Feld-Waldgrenzen. Ich gehe gerade am Anfang der Bockjagdzeit morgens, nach dem Ansitz, gerne noch ein Stündchen pirschen. Im Mai ist das Rehwild relativ lange auf den Läufen, und mit dieser Art von Jagd habe ich schon viel Erfolg gehabt. Oft habe ich schon einen Bock erwischt, der sich nach einem kühlen Morgen noch ein paar Sonnenstrahlen auf die Decke scheinen lassen wollte, bevor er sich in seinen Einstand zurückzieht.Dies geht besonders gut in Feld- oder Wiesenrevieren, da man das Wild auf groeße Entfernung schon sieht und sich dann anpirschen kann. Im Wald ist das Wild meist im Vorteil und nimmt einen wahr, bevor man selbst es sieht, so dass man es oft nur noch abspringen sieht. Hier stimmt der Spruch, “mehr pirschen stehen als pirschen gehen”, sonst besteht die Gefahr, dass man sein Revier leerpirscht, also durch die ständige Beunruhigung das Wild vergrämt oder es dazu bringt heimlich und nachtaktiv zu werden.

Abends pirsche ich auch manchmal, aber ich pirsche dann natürlich nicht einfach drauf los, sondern nur, wenn ich bereits einen Bock ausgemacht habe, dieser aber vom Hochsitz aus zu weit entfernt ist um ihn zu erlegen. Dann pirsche ich ihn gezielt an um die Distanz zu verringern und auf Schussentfernung heran zu kommen. Wobei man bedenken sollte, das man vom Hochsitz meistens auf 150m sicherer schiessen kann als von Zielstock auf 80m, da man eine stabilere Auflage hat und auch den Ellenbogen auflegen kann.

Für meine Pirschgänge habe ich mir im Laufe der Zeit eine praxisgerechte Ausrüstung zusammengestellt. Dazu gehört zweifellos ein Zielstock. Ich benutze gerne einen zwei- oder dreibeinigen Zielstock zum Ausziehen. Der ist zwar etwas sperriger als ein einbeiniger, aber er bietet eine sehr gute Auflage. Wenn man etwas breitbeinig steht, kann man die Waffe mit dieser Auflage ruhig genug halten um auch auf 120m sicher ein Stück Rehwild erlegen zu können.

Dadurch, dass sich der Zielstock kurz zusammenschieben lässt, kann man ihn nicht nur gut zum Transport umhängen, sondern beim Ausziehen auch die Länge variieren. So kann man ihn sehr gut auch für den Schuß im Sitzen auf dem Boden oder vom Sitzstuhl aus verwenden. Ich benutze ihn auch manchmal als Ellenbogenauflage beim Ansitz auf offenen Kanzeln/Drückjagdböcken, indem ich ihn an zwei Punkten auf der Brüstung auflege.

Manchmal verwende ich auch meinen Rucksackstuhl von Deerhunter in Kombination mit dem Sitzstock. Damit lässt sich sehr ruhig schiessen und man ist höher als wenn man auf dem Boden sitzt, so dass man einen besseren Kugelfang hat und nicht so viele Gräser im Sichtfeld. Allerdings ist der Rucksackstuhl etwas sperrig auf dem Rücken.

Gerade in hügeligem Gelände hat man auch öfter die Gelegenheit, ein Stück Rehwild im liegenden oder hockenden Anschlag zu erlegen. Auch wenn es nicht überall gern gesehen wird, ist dafür das ausklappbare Zweibein an der Waffe eine sehr gute Möglichkeit eine ruhige Auflage zu bekommen. Die Schotten schwören bei der Hirschjagd auf diese Zweibeine.

Gerade beim Pirschen will man möglichst unauffällig bleiben. Dabei hilft Tarnkleidung sehr. Viele traditionsbewußte Jäger lehnen Tarnkleidung als zu militärisch ab. Das mag bezüglich Bundeswehr-Flecktarn-Kleidung zutreffen, ich meine jedoch jagdliche Tarnmuster wie Realtree APG HD oder Obsession von Mossy Oak. Diese haben garantiert keinen militärischen Hintergrund. Zudem haben Jäger schon Tarnungen verwendet, Jahrtausende bevor Kombattanten dies taten, so dass ich keinen Grund sehe auf Tarnkleidung zu verzichten. Meine Erfahrung zeigt zudem ganz klar, dass Tarnkleidung bei der Pirsch den Jagderfolg erhöht. Dazu gehört auch eine entsprechende Kopfbedeckung sowie Handschuhe um die hellen Hände zu verdecken.

Ich trage Fleece oder Softshells, bei Regen verwende ich Jagdbekleidung mit Goretex Mebranen gegen die Nässe. Sie ist zwar etwas lauter als Fleecebekleidung, doch das ist besser als nass zu werden. Und das Rehwild stört sich daran nicht, bei der Pirsch im Feld kommt man ohnehin nicht auf 20m an das Wild heran, so dass das bisschen Rascheln nicht gehört wird.
Wenn ich pirsche gehe, trage ich keine Gummistiefel, sondern Wanderstiefel mit dämpfender Sohle und Membranenschutz gegen Nässe. Diese bieten hohen Lauf- und Pirschkomfort.

Als Fernglas bevorzuge ich bei der Pirsch ein qualitativ hochwertiges Allroundglas mit 10 oder 12 facher Vergrößerung und einem Objektivdurchmesser zwischen 40 und 50mm. Diese Gläser sind ausreichend lichtstark und nicht zu schwer oder zu groß. Unter 40 Millimeter Objektivdurchmesser sollte man nicht gehen, weil dann die Dämmerungsleistung in Grenzsituationen nicht mehr ausreicht. Statt eines normalen Trageriemens für das Fernglas benutze ich seit ein paar Jahren einen elastischen Schultergurt wie ihn inzwischen viele Jagdshops im Programm haben. Damit verteilt sich das Gewicht besser und zerrt nicht so am Nacken. Ausserdem schwingt das Glas nicht so weit nach vorne wenn man sich vornüber beugt.

Seit ein paar Jahren habe ich immer einen kleinen Laser-Entfernungsmesser dabei. Im Waldrevier kann man meist ohnehin nicht so weit gucken, dass man ihn bräuchte, aber im Feldrevier sind diese kleinen Helfer sehr sinnvoll. So weiss ich, wann ein Stück Wild jenseits der Entfernung ist, auf die ich sicher schiessen kann und dies trainiert habe. Auf einer Wiese ist dies sonst nicht leicht zu schätzen, gerade wenn es ein einzelnes Stück ist, weil einem der Maßstab fehlt.

Dem Thema Waffe und Zielfernrohr auf der Pirsch-Bockjagd widme ich wohl noch einen eigenen Post, sonst wird der hier zu lang …

Tarnkleidung

Samstag, Juli 11, 2009
geschrieben von magnus

Klar, die überwiegende Zahl des von mir erlegten Wildes hätte ich auch in einem rosa Häschenkostüm erlegt. Gerade auf dem Ansitz und bei der Drückjagd spielt die Farbe der Kleidung nur eine untergeordnete Rolle.

Bei der Pirsch aber, die für mich ohnehin die Königsdisziplin der Jagd darstellt, bin ich ein großer Freund von jagdlicher Tarnkleidung geworden und bilde mir ein, dass diese auch zu meinem Erfolg beiträgt.

Jagdliche Tarnbekleidung funktioniert durch die unterschiedliche Farbwahrnehmung von menschlichem und tierischem Auge. Der Mensch kann von violett (=kurzwellig) über blau, grün, gelb und rot (=langwellig) alle Farbschattierungen gut erkennen und unterscheiden. Schalenwild hingegen sieht nur zweifarbig. Der für das Wild am schlechtesten wahrnehmbare Bereich ist der Übergang von grün über gelb zu braun. Rot nimmt es nur in einer Schattierung (hell/dunkel) wahr (Quelle: DJZ). Daher ist orangefarbene Warnkleidung auf Gesellschaftsjagden unschädlich, ist sie mit Tarndruck versehen tarnt sie sogar besser als ein einfarbig dunkelgrüner Lodenmantel.

Ich benutze auch im Sommer dünne Handschuhe sowie einen Gesichtsschleier, so dass meine Hände und das Gesicht nicht als helle Flecken in der Landschaft auffallen. Außerdem verwende ich jagdliche Tarnmuster um meine Konturen aufzubrechen. Gerade beim Anpirschen schon erkannten Wildes kommt es immer wieder vor, dass das Wild eine Bewegung wahrnimmt und in meine Richtung sichert. Bleibe ich dann ganz ruhig stehen, erkennt mich das Wild als Bewegungsseher meistens nicht, weil ich durch die Tarnkleidung mit der Landschaft verschmelze.

Die Amerikaner, von denen diese Muster stammen, jagen im Frühsommer nur Trutwild (welches aber sehr gut gucken kann!). Ansonsten beginnt die Jagd auf Whitetail oder Elk erst im September und erreicht Mitte bis Ende November mit der Brunft der Whitetails ihren Höhepunkt. Daher sind viele der Tarnmuster auf die Jagd im Herbst ausgelegt und bestehen überwiegend aus Braun- und Grautönen. Diese Muster sind daher für die Bockjagd im Mai oder zur Blattzeit, wenn die Vegetation saftig und grün ist, nur bedingt geeignet. Daher verwende ich Muster wie Realtree APG oder Obsession von Mossy Oak, da diese einen relativ hohen Grünanteil haben. Notfalls gehen aber auch erstmal Bundeswehr Flecktarn Klamotten aus dem Army Shop.

Hier ist eine kleine Galerie um zu zeigen wie effektiv die Tarnmuster sein können. Die Bilder, bei denen der Jäger auf dem Boden sitzt und eine Schrotflinte in der Hand hat, stellen dar wie die Amerikener Truthähne jagen.