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Tarnkleidung
Klar, die überwiegende Zahl des von mir erlegten Wildes hätte ich auch in einem rosa Häschenkostüm erlegt. Gerade auf dem Ansitz und bei der Drückjagd spielt die Farbe der Kleidung nur eine untergeordnete Rolle.
Bei der Pirsch aber, die für mich ohnehin die Königsdisziplin der Jagd darstellt, bin ich ein großer Freund von jagdlicher Tarnkleidung geworden und bilde mir ein, dass diese auch zu meinem Erfolg beiträgt.
Jagdliche Tarnbekleidung funktioniert durch die unterschiedliche Farbwahrnehmung von menschlichem und tierischem Auge. Der Mensch kann von violett (=kurzwellig) über blau, grün, gelb und rot (=langwellig) alle Farbschattierungen gut erkennen und unterscheiden. Schalenwild hingegen sieht nur zweifarbig. Der für das Wild am schlechtesten wahrnehmbare Bereich ist der Übergang von grün über gelb zu braun. Rot nimmt es nur in einer Schattierung (hell/dunkel) wahr (Quelle: DJZ). Daher ist orangefarbene Warnkleidung auf Gesellschaftsjagden unschädlich, ist sie mit Tarndruck versehen tarnt sie sogar besser als ein einfarbig dunkelgrüner Lodenmantel.
Ich benutze auch im Sommer dünne Handschuhe sowie einen Gesichtsschleier, so dass meine Hände und das Gesicht nicht als helle Flecken in der Landschaft auffallen. Außerdem verwende ich jagdliche Tarnmuster um meine Konturen aufzubrechen. Gerade beim Anpirschen schon erkannten Wildes kommt es immer wieder vor, dass das Wild eine Bewegung wahrnimmt und in meine Richtung sichert. Bleibe ich dann ganz ruhig stehen, erkennt mich das Wild als Bewegungsseher meistens nicht, weil ich durch die Tarnkleidung mit der Landschaft verschmelze.
Die Amerikaner, von denen diese Muster stammen, jagen im Frühsommer nur Trutwild (welches aber sehr gut gucken kann!). Ansonsten beginnt die Jagd auf Whitetail oder Elk erst im September und erreicht Mitte bis Ende November mit der Brunft der Whitetails ihren Höhepunkt. Daher sind viele der Tarnmuster auf die Jagd im Herbst ausgelegt und bestehen überwiegend aus Braun- und Grautönen. Diese Muster sind daher für die Bockjagd im Mai oder zur Blattzeit, wenn die Vegetation saftig und grün ist, nur bedingt geeignet. Daher verwende ich Muster wie Realtree APG oder Obsession von Mossy Oak, da diese einen relativ hohen Grünanteil haben. Notfalls gehen aber auch erstmal Bundeswehr Flecktarn Klamotten aus dem Army Shop.
Hier ist eine kleine Galerie um zu zeigen wie effektiv die Tarnmuster sein können. Die Bilder, bei denen der Jäger auf dem Boden sitzt und eine Schrotflinte in der Hand hat, stellen dar wie die Amerikener Truthähne jagen.
Zwei auf einen Streich
Neulich Abend konnte ich von meinem Hochsitz direkt vor mir eine Ricke mit zwei Kitzen beobachten. Ein toller Anblick! Später sah ich in einiger Entfernung, wie ein Sechser eine Ricke trieb. Ich schnappte mir mein Dreibein und pirschte näher ran. Ich hatte außer dem hohen Gras und Brennesseln keinerlei Deckung, doch hatte ich meinen Tarnanzug an, so dass ich mir wenig Sorgen machte gesehen zu werden. Der Bock hatte außerdem besseres zu tun als auf mich zu achten. So kam ich auf 80m heran und fiepte ein wenig. Der Bock verhoffte und ich ließ bei passender Gelegenheit das 11,5g Geschoss aus meiner auf dem Dreibein aufgelegten 7×64 fliegen. Der Bock verendete auf der Stelle. Es war genau 21h.
Ich wollte noch ein paar Minuten warten bevor ich zum Bock ging, da sah ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Ein Spießer kam von der Seite direkt auf mich zu. Er musste das Fiepen vernommen haben und suchte nach dem Urheber. Der Knall schien ihn nicht im geringsten gestört zu haben. So ließ ich das Dreibein stehen und schoss auch den Spießer auf eine Entfernung von etwa 70m leicht spitz von vorn. Trotz – wie ich später feststellte – gutem Treffersitz, der Einschuss saß vor dem Blatt, der Ausschuss gegenüber etwa mittig auf dem Wildkörper, sprang der Bock ein paar mal auf und ab wie eine Gazelle, lief noch etwa 30m und tat sich dann nieder. Ich gab ihm etwas Zeit und versorgte zunächst das erste Stück. Als ich dann hinging war er bereits verendet.
